Die Suche im Internet hat sich in den letzten 20 Jahren ständig verändert. Von den ersten Suchmaschinen mit einfachen Schlagworten, über Google mit seinem PageRank-Algorithmus bis hin zu mobilen Sucherlebnissen: Immer ging es darum, Nutzer:innen die besten Ergebnisse anzuzeigen. Doch jetzt erleben wir einen Bruch, und es stellt sich die Frage: Conversational Search vs. klassische Suche?
Mit Conversational Search tritt eine völlig neue Form der Suche auf. Sie funktioniert nicht mehr über einzelne Keywords, sondern über Fragen in natürlicher Sprache. Statt einer langen Liste mit Links gibt es direkte Antworten – so, als würde man mit einer Expertin sprechen.

In diesem Artikel vergleichen wir klassische Suche vs. Conversational Search und zeigen, warum diese Entwicklung die Spielregeln im Netz verändert.
Was ist klassische Suche?
Die klassische Suche – etwa bei Google oder Bing – basiert seit Jahrzehnten auf Keywords. Nutzer:innen tippen Begriffe ein, und die Suchmaschine zeigt eine Liste von Links an, die nach Relevanz sortiert sind.
Merkmale der klassischen Suche:
- Keyword-basiert: Ergebnisse hängen stark von den gewählten Suchwörtern ab.
- Linklisten: Nutzer:innen müssen selbst klicken und Informationen zusammensuchen.
- Ranking-Fokus: Sichtbarkeit bedeutet, auf Seite 1 zu erscheinen.
- On-Page-SEO: Inhalte müssen für Suchmaschinen optimiert werden (Keywords, Meta-Tags, Backlinks).
Diese Form der Suche hat uns viele Jahre begleitet. Doch sie ist nicht immer effizient. Viele Menschen wollen keine Link-Recherche, sondern eine konkrete Antwort.
Was ist Conversational Search?
Conversational Search beschreibt die KI-gestützte Suche, bei der Nutzer:innen in natürlicher Sprache Fragen stellen und Antworten im Dialog erhalten.
Beispiel:
- Klassische Suche: „beste Kaffeemaschine Büro kaufen“
- Conversational Search: „Welche Kaffeemaschine eignet sich für ein kleines Büro mit 10 Personen?“
Die Antwort ist keine Liste mit Shops, sondern eine direkte Empfehlung mit Begründung.
Merkmale der Conversational Search:
- Dialogbasiert: Fragen werden so gestellt, wie in einem Gespräch.
- Antworten statt Links: Ergebnisse kommen als klarer Text.
- Kontextbasiert: Die KI merkt sich den Verlauf und versteht Folgefragen.
- KI-gestützt: Systeme wie ChatGPT, Google Gemini oder Perplexity liefern Antworten.
Conversational Search vs. klassische Suche – die Unterschiede
| Kriterium | Klassische Suche | Conversational Search |
|---|---|---|
| Eingabe | Keywords | Fragen in natürlicher Sprache |
| Ausgabe | Liste von Links | Direkte Antwort, oft mit Quellen |
| Interaktion | Einmalige Anfrage | Dialog mit Rückfragen möglich |
| Fokus | Ranking & Klicks | Relevanz & Verständnis |
| Optimierung | SEO (Keywords, Backlinks, On-Page-Faktoren) | AEO (strukturierte Antworten, Trust-Signale) |
Vorteile von Conversational Search gegenüber klassischer Suche
1. Für Nutzer:innen
- Schnellere Antworten – ohne zehn Seiten durchsuchen zu müssen.
- Natürlichere Interaktion – Fragen wie im Gespräch.
- Relevanz – Antworten berücksichtigen den Kontext.
2. Für Unternehmen
- Neue Sichtbarkeit – Marken können direkt in Antworten erscheinen.
- Autorität – Wer von einer KI zitiert wird, gewinnt Vertrauen.
- Conversion-Potenzial – direkte Empfehlungen führen zu schnelleren Kaufentscheidungen.
Nachteile und Herausforderungen
Natürlich ist Conversational Search nicht perfekt:
- Fehlerquellen: KI kann falsche Antworten („Halluzinationen“) liefern.
- Traffic-Verlust: Webseiten erhalten weniger Klicks, wenn Antworten direkt gegeben werden.
- Komplexere Optimierung: Unternehmen müssen Inhalte so aufbereiten, dass sie maschinell verständlich sind.
Im Vergleich dazu hat klassische Suche den Vorteil, dass Webseiten mehr Kontrolle über ihre Sichtbarkeit haben – über Keywords, Backlinks und technische Optimierungen.
Beispiele aus der Praxis
Google SGE (Search Generative Experience)
Google testet derzeit die Integration von generativen Antworten direkt in der Suche. Nutzer:innen sehen nicht nur Links, sondern auch KI-gestützte Zusammenfassungen.
Bing Copilot
Microsoft hat KI-Antworten direkt in Bing und Edge integriert. Ergebnisse werden dialogisch geliefert, mit Quellenangaben.
Perplexity.ai
Eine neue Art von Suchmaschine, die von vornherein auf Conversational Search setzt. Statt einer Trefferliste gibt es strukturierte, zitierte Antworten.
Was bedeutet das für SEO?
Die Umstellung auf Conversational Search bedeutet: SEO allein reicht nicht mehr.
Unternehmen müssen Inhalte so gestalten, dass sie in KI-Antworten erscheinen.
👉 Das nennt sich Answer Engine Optimization (AEO).
Tipps für AEO:
- Fragen beantworten: Inhalte sollten wie FAQs aufgebaut sein.
- Kurze, präzise Absätze: Maschinen verstehen einfache Strukturen besser.
- Listen & Tabellen nutzen: Sie sind leicht maschinenlesbar.
- Quellen & Autorität zeigen: Vertrauenswürdige Inhalte haben Vorrang.
- Multimodal denken: Nicht nur Text, auch Videos und Infografiken einbinden.
Zukunftsausblick
Conversational Search wird die klassische Suche nicht sofort ersetzen – aber Schritt für Schritt ergänzen und in vielen Bereichen ablösen. Vor allem durch:
- Voice Search: Sprachassistenten wie Alexa oder Siri nutzen Dialogsuche.
- Conversational Commerce: Kaufentscheidungen entstehen direkt im Chat.
- Predictive Search: KI erkennt Fragen, bevor sie gestellt werden.
FAQ: Conversational Search vs. klassische Suche – was sich wirklich verändert
Klassische Suche liefert Links, Conversational Search liefert Antworten im Dialog.
Nein, sie wird bleiben – aber Conversational Search wird in vielen Bereichen bevorzugt.
Ja. Neben SEO ist jetzt auch AEO entscheidend, um in KI-Antworten aufzutauchen.
Beispiele sind Google SGE, Bing Copilot, ChatGPT, Perplexity.ai.
Fazit
Conversational Search ist keine kleine Verbesserung, sondern ein Paradigmenwechsel. Statt in Listen zu scrollen, erhalten wir direkte Antworten. Für Nutzer:innen bedeutet das mehr Komfort, für Unternehmen neue Chancen – aber auch neue Herausforderungen.
👉 Die klassische Suche bleibt wichtig. Doch wer langfristig sichtbar sein will, muss verstehen: Die Zukunft heißt Conversational Search.
Quellen:
„A Survey of Conversational Search“ (arXiv, Oktober 2024)
Diese Studie liefert einen Überblick über die aktuellen Fortschritte bei conversational search systems. Sie beleuchtet u.a. Technologien wie „query reformulation“, Kontext-Behandlung bei Mehrfachfragen (Multi-turn), und wie sich dialogbasierte Suche von klassischer Suche unterscheidet.
„Comparing Conventional and Conversational Search Interaction using Implicit Evaluation Methods“ von Abhishek Kaushik & Gareth J. F. Jones (2022)
Hier wird in einem Laborversuch untersucht, wie sich Nutzererlebnisse unterscheiden, wenn man eine herkömmliche Suchoberfläche (klassische Suche) mit einer dialogunterstützten, agentenbasierten Oberfläche (Conversational Search) vergleicht. Untersucht werden Faktoren wie Arbeitsbelastung, Zufriedenheit und Effektivität.
mehr erfahren:
Conversational Search – Die Zukunft der Suche im KI-Zeitalter
zum KI WIKI
Conversational Search – Dialog statt Schlagwort